Spielzeugreduzierte Zeit im Kindergarten St. Peter ab dem 19. Februar 2015 bis nach Ostern


keinspielzeugDie Besinnung auf sich selbst öffnet den Blick für die wesentlichen Dinge.
Dies gilt auch für die Kinder.
Ab Aschermittwoch beginnt für uns Christen die Fastenzeit. Es ist eine Zeit des Verzichts und der Selbstfindung. Diese Rückbesinnung  auf das Wesentliche und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sollen die Jungen und Mädchen in den nächsten Wochen erfahren.

Die Bedürfnisse von heutigen Kindern unterscheiden sich nicht sehr von denen früherer Zeiten. Doch die Gegebenheiten (wenig Platz zum Spielen, dafür eine Fülle von Spielmaterialien, die Verplanung der Freizeit, früher Leistungsdruck) haben sich verändert.
Die Idee, Spielzeug zu reduzieren, kommt aus der Sucht- und Drogenberatung, die deutlich macht, Kinder müssen wieder erfahren:
„Ich kann auch ohne...!“

Wer als Kind nicht erfahren hat, ich komm da durch, ich schaffe das allein, ich habe dafür eine Idee, ist als Jugendlicher eher in Gefahr, sich in Abhängigkeit bei diesen unangenehmen Gefühlen zu begeben.

Spielzeug kann viele Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder fördern und gehört selbstverständlich zu ihrer Lebens- und Lernwelt.
Allerdings kann eine Überhäufung mit Spielzeug, Konsumgütern und Freizeitangeboten auch dazu führen, dass Kinder zu wenig Gelegenheit haben, „zu sich zu kommen“, ihre eigenen Bedürfnisse zu spüren und ihre eigenen Ideen und Phantasien zu entwickeln.

Das Projekt „Spielzeugreduzierte Zeit im Kindergarten“ richtet sich nicht gegen Spielzeug.
Die Wegnahme des Spielzeugs und der Spielangebote schafft für einen begrenzten Zeitraum
eine Situation, in der Kinder in einem geschützten Rahmen Erfahrungen mit ihren eigenen
Möglichkeiten und Grenzen machen können.

Am Tag nach Aschermittwoch geht`s los!
Im Morgenkreis erfahren die Kinder durch eine Geschichte, dass das Spielzeug Urlaub braucht.
Jeden Tag überlegen die Kinder gemeinsam in der Kinderversammlung, welches Spielzeug weg geräumt wird. Dieser Prozess kann in den einzelnen Gruppen unterschiedlich lang dauern.

Es bleibt:
Malblätter, Schere, Stifte, Klebe,
Wolldecken, Wäscheklammern, Verkleidungskiste,
„wertloses“ Material, Naturmaterialien,
Bücher,

Ebenso bleiben alle pädagogischen Fördermaßnahmen und Angebote erhalten.

Unser oberstes Ziel ist es, die Lebenskompetenz der Kinder, ihre Phantasie und Kreativität durch Spielzeugreduzierung und ein verstärktes Angebot an nicht vorgefertigten Materialien zu fördern.
Fantasievolle Rollenspiele fördern außerdem die Interaktion und auch die Kommunikation untereinander.
In der Auseinandersetzung mit den neuen Materialien wird der Dialog unter den Kindern gefördert.
Es müssen neue Spielregeln ausgehandelt, Ideen formuliert und Verteilungsprozesse geregelt werden. Die Kinder entwickeln eigene Ideen für ihr Spiel.

Durch das Wegfallen herkömmlicher Spielzeuge finden Kinder neue Wege, sich mit Alltagsmaterialien zu beschäftigen und Ideen zu den neuen Materialien zu entwickeln.
Die Kinder lernen eigene Stärken und Schwächen kennen, kreative Prozesse und Erfindungen rufen Stolz hervor, und zudem lernen die Kinder Frustrationen auszuhalten.
Sie probieren verschiedene Rollen und Positionen innerhalb einer Gruppe aus und üben den respektvollen Umgang miteinander.

Auch Langeweile ist wichtig für die positive Entwicklung Ihres Kindes.
Durch sie sind Kinder gezwungen, sich mit der eigenen Fantasie auseinanderzusetzen und selbst Ideen zu entwickeln.

Neben der Herausnahme des vorgefertigten Spielmaterials ist ein weiterer
wichtiger Bestandteil des Projektes die neue Aufgabe und Rolle der Erzieherinnen.
Statt Spiel- oder andere Themenangebote durchzuführen, statt vorschnelle
Lösungen anzubieten, wechseln sie in eine beobachtende Rolle, weg von der "Animation" hin zu einer interessierten Beobachterin.
Die Erzieherinnen sind unterstützende Partnerinnen und Begleiterinnen der Kinder.
Diese Beobachtungen werden wir dokumentieren. Die Aufzeichnungen dienen einerseits zur Reflexion der erzieherischen Arbeit und anderseits als Gesprächsgrundlage mit den Eltern.


 

Gebt dem Kind einen
dürren Zweig,
es wird in seiner
Phantasie
Rosen daraus
sprießen lassen.

                    Jean Paul
 

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